Muss man über Kulturwandel überhaupt noch sprechen?

Im Interview: Christian Maxin, Geschäftsführer der dP elektronik GmbH

Bester Arbeitgeber Mittelstand 2019, 2020 und 2021 (Focus Business und Kununu)


Fachkräftemangel? Bei uns nicht! Christian erzählt uns …

… warum in einer kleinen Organisation der Faktor „Bauch“ weine wesentliche Rolle spielt.

… warum ihm glückliche Mitarbeitende am Herzen liegen.

… warum ihm das „Wollen wichtiger ist als das Können!“


„Kultur ist das was vielleicht ein Unternehmen heute einzigartig machen kann!“ „Führungskräfte der Zukunft haben Demut vor sich selbst, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit für Neues als Grundwerte.“


„Wir können uns immer weniger auf das, was in der Vergangenheit richtig war, verlassen.“



Ich bin in das Unternehmen reingekommen, da war mein Vater hier noch der Geschäftsführer.


"Ich glaube, Du kriegst immer die Mitarbeiter, die du verdienst!"


In den letzten 10 Jahren hat sich Vieles verändert und es gibt mittlerweile tatsächlich leider keinen einzigen Mitarbeiter mehr aus der Zeit meines Vater. Ich glaube, du suchst dir oder baust dir dein Umfeld dann neu zusammen.


Da mag mir jetzt jeder sagen, dass es empirisch belegt ist, das Bauchgefühl ein schlechtes Kriterium ist um Mitarbeiter einzustellen. Ich glaube aber, dass in einer relativ kleinen Organisation dieser Faktor "Bauch" nicht unwichtig ist. Du brauchst ja nur einen faulen Apfel und du kannst zehn frische haben und deine Stimmung im Team ist kaputt. Das heißt ich selber bin da schon so, dass ich ziemlich auch auf meinen Bauch höre, und wenn ich nicht das Gefühl habe, dass ich mit Dem- oder Derjenigen zusammenarbeiten möchte oder dass er/sie nicht rein passt, dann wird er oder sie halt nicht eingestellt, egal ob das vom fachlichen her passen würde.


Ich glaube auch, die Art und Weise wie man mittlerweile miteinander umgeht hat sich stark verändert. Dieses streng hierarchische und von oben herab, das gibt es sicherlich nach wie vor, es gibt auch noch einzelne Entscheidungen, die sicherlich bis heute top-down zu entscheiden sind oder entschieden werden müssen, aber dass man zumindest diesen Rahmen oder das Gefühl dazu gibt, dass jeder seine Meinung und seinen Beitrag dazu leisten kann ist wichtig.


Ob es dann immer aufgegriffen wird, kann ich nicht sagen. Vieles davon wird aufgegriffen was rein gebracht wird, manches lässt sich aus organisatorischen Gründen nicht umsetzen, manches aus finanzieller Sicht nicht, aber wir schauen schon, dass es funktioniert, denn unsere Mitarbeiter haben das Ohr am Kunden. Am Ende muss ich halt schauen, dass meine Mitarbeiter glücklich sind damit unsere Kunden am Ende glücklich sind, das ist für mich so der Zusammenhang dahinter.


Ich kann noch so eine schöne Kultur zusammenbauen, dass muss ja bezahlt werden. Wir und unsere Mitarbeitenden wollen alle am Monatsende irgendwo unser Geld am Konto haben, und das kannst du nicht von guter Laune bezahlen. Aber ich glaube, das halt wenn man diesen Prozess umdreht und sagt: "OK, ich möchte, dass der Laden solide dasteht"

glaube ich schon, dass es sich lohnt erst mal in die Mitarbeiter zu investieren, um dann mittelfristig hintenraus auch diesen Ertrag herauszubekommen. Andersherum funktioniert das glaube ich nicht.


Es gibt für uns nicht den fertigen Mitarbeiter. Es ist nicht so, dass wir einen Facharzt für Kieferchirurgie suchen der fertig ausgebildet daherkommt, sondern alle Mitarbeiter die wir reinkriegen müssen bei uns ausgebildet und eingearbeitet werden, so dass du bei uns halt auch tatsächlich Quereinsteiger genauso hast wie Leute die halt irgendwo aus der IT kommen, Leute die aus dem handwerklichen Bereich kommen aber auch wirklich von ganz woanders her. Da geht es also eher darum, dass die Leute das Gefühl haben, dass sie "Bock drauf haben" - auf deutsch gesagt - als das sie jetzt sagen ich habe die super super Skills. Also wenn die tolle Skills haben, ist das gut und hilft natürlich immer, aber mir ist das Wollen wichtiger als das Können, erstmal.


Unternehmenskultur allgemeinen ist natürlich erst mal ein riesen Begriff, weil es ja das große Ganze irgendwo erfassen und abbilden soll. Kultur ist das, was vielleicht ein Unternehmen heute einzigartig machen kann, so würde ich es mal zusammenfassen.


Wo wir doch alle in einer austauschbaren Welt leben, mit austauschbaren Produkten ist halt das was am Ende nicht austauschbar ist deine Mitarbeitenden. Sie sind es, die am Ende auch innerhalb dieses Rahmens oder dieses Gebildes "Unternehmen" letztlich diese Kultur mittragen und mit Leben erfüllen. Ich glaube nicht, dass Unternehmenskultur ist, dass ich irgendwie 7-8 Kernwerte irgendwo hin schreibe auf eine Tafel, und sage, dass ist jetzt unsere Unternehmenskultur, sondern es ist eher ein lebendes Gebilde, also es entwickelt sich weiter. Man kann irgendwo einen Startpunkt setzen aber in dem Prozess ändert sich natürlich auch Kultur und Miteinander und es kommen neue Mitarbeiter dazu, es scheiden welche aus und damit ist Kultur nichts Statisches sondern eher was Dynamisches.


Kompetenzen der Zukunft: Grundsätzlich erstmal so eine gewisse - also das ist glaube ich zeitlos - eine gewisse Demut vor sich selbst, dass man sich selber nicht als den Allwissenden sieht.


Dann sicherlich Verlässlichkeit, also dass man einfach wenn man jetzt eine Entscheidung trifft, dass diese Entscheidung dann halt auch so dasteht wie sie besprochen wurde, dass ein Mitarbeiter sich darauf verlassen kann. Wenn ich sage macht das so, dass es da nicht hintenrum auf einmal dann heißt: "OK, dafür gab es ja nie die Zusage." Dass man verbindlich bleibt dann in der Sache.


Für die Zukunft denke ich, dass haben wir auch alle jetzt gemerkt, dass wir uns eine gewisse - Offenheit für Neues - erhalten, weil nichts ist so beständig wie der Wandel.

Ich glaube, wir werden in den nächsten zehn Jahren einen drastischen schnelleren Wandel erleben als wir die letzten zehn Jahre schon erlebt haben. Da heißt es halt mit offenen Augen durch die Welt laufen. Ich denke, dass ist sehr wichtig für die Zukunft, weil wir uns immer weniger auf das, was in der Vergangenheit richtig war, verlassen können.


Beständig sind für mich Grundwerte also Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und solche Dinge, das ist glaube ich immer wichtig.



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